Mein kleiner Horrorladen

Da war ich gestern so glücklich, dass es wirklich gut lief, wurde ich heute direkt wieder eines besseren Belehrt.

Heute sollte ich Vertretungsunterricht in einer Mittelstufe halten, dort sitzen dann 15 Kinder, die in ihrer sozialen und emotionalen Entwicklung beeinträchtigt sind. Früher nannte man es Verhaltensgestört, das ist heute aber nicht mehr politisch korrekt. Die Konrektorin brachte mich zur Klasse und sagte: „manchmal haben sie einen guten Tag, wenn es gar nicht funktioniert solle ich doch einfach noch mal vorbei kommen.“ Ich hatte gehofft, sie scherzt.

Die ersten beiden Stunden waren zumindest noch nicht ganz so schlimm, die Kids führten ihr Morgenritual durch und wir haben zusammen Lernwörter erarbeitet, die sie dann abschreiben sollten. Sie haben sich das Thema Tiere ausgesucht. Also haben wir 15 Tiernamen aufgeschrieben, die passenden Artikel gesucht und die Mehrzahl gebildet. Zum Teil für mich absolut erschreckend, wie die Lernvoraussetzungen der einzelnen Schüler sind. Zwei Kinder konnten nicht mal einen Satz lesen, das macht mich so traurig und wütend. Wie kann es so einem Schulsystem passieren, dass Kinder mit 14 oder 15 Jahren noch überhaupt nicht lesen können?

In der Pause muss dann irgendwas zwischen einigen Schülern meiner heutigen Klasse vorgefallen sein. Es herrschte danach eine extrem aggressive Stimmung und an Unterricht war nicht wirklich zu denken. Irgendwann wurde ich richtig wütend und auch ein wenig hilflos, da fangen zwei große, kräftige Jungs an sich über die Tische hinweg zu prügeln. Ich gehe dazwischen und bekomme beinahe selbst einen Schlag ab. Da könnte ich wirklich …..

Ich habe mir dann umgehend Unterstützung von einer benachbarten Klassenlehrerin geholt und zwei der Störenfriede dem Raum verwiesen. Es war so krass! Als Marcel dann aus heiterem Himmel anfing, die Schwester und die Eltern von Hacuza zu beschimpfen, ist die Stimmung endgültig gekippt und Hacuza hat den Klassenraum verlassen, auch auf mehrmaliges auf Marcel einreden war es ihm total egal, wie er sich verhält und ob er andere mit seinen Worten verletzt.

Nach der 4. Stunde war ich einfach so froh, dass es vorbei war, da kam dann die Konrektorin und bat mich, die Klasse auch noch in 5,6 Stunde zu betreuen, da der Kunstlehrer sich gerade krank gemeldet hat. Am liebsten wäre ich ja schreiend weggelaufen, aber ich habe ihr erzählt wie es in den vergangenen vier Stunden lief und dass ich mich so nicht in der Lage sehe, den Unterricht weiter zu führen. Letztendlich wurden 4 Schüler auf andere Klassen verteilt und die Kids haben aus den Kopiervorlagen der Mandalas Papierflieger gemalt. Nicht optimal aber immerhin haben sie den Klassenraum und sich selbst nicht auseinander genommen.

Was für ein mieser Tag, ich möchte mich am liebsten im Bett verkriechen. Natürlich habe ich auch wieder mal für einen Lacher gesorgt, da ich heute Morgen noch im Halbschlaf mein Shirt linksherum angezogen habe. Aber das war nur Thema, bis Leon angefangen hat Stühle durch die Klasse zu werfen.

Leider gibt´s nicht immer nur schöne Geschichten hier zu lesen, aber das musste ich mir jetzt mal von der Seele schreiben.

Meine Belohnung danach: Koalas & eine Bananenmilch

Meine Belohnung danach: Koalas & eine Bananenmilch

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3 Gedanken zu “Mein kleiner Horrorladen

  1. Oh weh oh weh ohjemine…
    Ich bin ja nur froh, dass du überlebt hast, wenn ich das so lese!!!!
    Bleib tapfer…du packst das!!!

  2. Oh weh oh weh ohjemine…
    Wenn ich das so lese, bin ich nur heilfroh, dass du ohne großen Schaden überlebt hast (;
    Bleib tapfer, es kann nur besser werden!!!

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